Cholesterinsenker: Umfassende Genanalyse vor Therapiebeginn für eine bessere Medikamentenverträglichkeit

Cholesterin ist eine lebenswichtige Substanz aus der Gruppe der Lipide (Fette und fettähnliche Substanzen), die der Körper als Baustein für Zellen und die Bildung verschiedener Moleküle, wie Hormone, Vitamin D und Gallensäuren benötigt. Cholesterin kann sowohl über die Nahrung (z.B. tierische Produkte wie Fleisch, Eier, Butter, etc.) aufgenommen, als auch vom Körper selbst gebildet werden.
Hohe Cholesterinwerte im Blut sind meist die Folge eines Zusammenspiels von genetisch vererbten Faktoren und einer unausgewogenen fettreichen Ernährung in Kombination mit Bewegungsmangel und/oder Übergewicht. Der Cholesterinspiegel kann auch durch Fehlfunktionen wichtiger Proteine, die den Metabolismus von Cholesterin steuern, dauerhaft erhöht sein.

LDL- und HDL-Cholesterin

Da Cholesterin im Blut nicht löslich ist, wird es zum Transport in der Blutbahn in sogenannte Lipoproteine verpackt. Lipoproteine sind kugelförmige Partikel, in deren Kern die wasserunlöslichen Lipide von einem Mantel aus Proteinen und Phospholipiden umgeben sind. Man unterscheidet 6 Lipoprotein-Klassen, die sich hinsichtlich Größe, Dichte und Zusammensetzung unterscheiden. Aus medizinischer Sicht sind die LDL (low density lipoproteins) und HDL (high density lipoproteins) besonders wichtig, da diese Lipoproteine bei der Entstehung unterschiedlicher Erkrankungen (z.B. Atherosklerose) eine zentrale Rolle spielen. Im Labor kann die Cholesterinkonzentration, die im Blut in den LDL und HDL transportiert wird, relativ einfach bestimmt werden.

Überschüssiges LDL-Cholesterin, also zu viele LDL im Blut, gilt im Allgemeinen als gesundheitsgefährdend, da der Proteinanteil der LDL mit der Innenwand von Blutgefäßen interagieren kann, wodurch deren Cholesterin in der Gefäßwand abgelagert wird. Dies kann zu Verengungen der Blutgefäße und zur Entstehung von Verkalkungen (Atherosklerose) führen – eine der Hauptursachen für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. ÄrztInnen raten dringend dazu, hohe LDL-Cholesterinwerte durch einen besseren Lebensstil, eine gesündere Ernährung oder mithilfe von Medikamenten (z.B. Statinen) zu senken.

Im Gegensatz dazu sind HDL fähig, die Cholesterin-Ablagerungen in der Gefäßwand zu reduzieren, den Rücktransport von Cholesterin zur Leber zu steigern und somit die Blutgefäße vor Ablagerungen, lokalen Entzündungen und Verkalkungen zu schützen. Ein hoher HDL-Cholesterin Spiegel im Blut weist auf eine hohe Konzentration von HDL hin. Daher gelten hohe HDL-Cholesterinwerte als günstig für die Gefäß- und Herz-Kreislauf-Gesundheit.  HDL-Cholesterin wird deshalb auch als das „gute“ Cholesterin bezeichnet. Über die jeweiligen Zielwerte für HDL- und LDL-Cholesterin informiert Sie gerne Ihr behandelnder Arzt oder Ihre behandelnde Ärztin.

Medikamentöse Therapie bei erhöhtem Cholesterinspiegel

Die Senkung erhöhter LDL-Cholesterinwerte reduziert das Risiko für Herz-Kreislauf- bzw. Gefäßerkrankungen um ein Vielfaches. Sofern die Änderungen der Ernährungsgewohnheiten und des allgemeinen Lebensstils nicht erfolgsversprechend sind, oder ein familiär bedingt erhöhter Cholesterinspiegel (familiäre Hypercholesterinämie) vorliegt, kann dieser auch durch eine medikamentöse Behandlung mit Lipidsenkern (z.B. Statine) verbessert werden. Im Jahr 2020 hatten etwa 1.4 Millionen ÖsterreicherInnen eine Fettstoffwechselstörung.1 Davon befanden sich 850.000 aufgrund erhöhter Lipidwerte in ärztlicher Behandlung und etwa 600.000 bzw. 6.9% aller ÖsterreicherInnen wurde eine Statintherapie verordnet.1

Statine hemmen die Cholesterinsynthese in der Zelle, sodass die Zellen zur Deckung ihres Cholesterinbedarfs vermehrt cholesterinhaltige LDL aus der Blutbahn aufnehmen. Dadurch kommt es zu einer Verringerung von LDL und Cholesterin im Blutkreislauf.

Das Ziel einer Statintherapie ist die Senkung des LDL-Cholesterinspiegels bei möglichst geringen Nebenwirkungen. Bekannte Nebenwirkungen von Statinen sind unter anderem Muskelprobleme (Myalgien) oder erhöhte Leberenzymwerte. Die Anfälligkeit für Nebenwirkungen und deren Intensität wird durch die individuelle erbliche (genetische) Ausstattung eines jedes Menschen beeinflusst, die eine wichtige Rolle bei der Verstoffwechselung des Medikaments einnimmt. Zusätzlich können diese auch durch die zeitgleiche Verabreichung anderer Medikamente oder Substanzen hervorgerufen werden.

Statine und der Arzneimittel-Stoffwechsel

Der stoffliche Umbau (Metabolismus) von Wirkstoffen im Körper spielt eine entscheidende Rolle für die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Arzneimitteln. Viele am Medikamentenstoffwechsel beteiligte Moleküle weisen erbliche Unterschiede auf, die beispielsweise einen Einfluss auf die Abbaugeschwindigkeit eines Medikaments haben können. Dies beeinflusst wiederum den Wirkstoffspiegel im Blut und kann zu Nebenwirkungen oder einem Ausbleiben der gewünschten Wirkung führen.

Am stofflichen Umbau der Statine im Körper sind zahlreiche Eiweiße (Proteine, Enzyme) beteiligt, die Medikamente an ihre Bestimmungsorte befördern oder im Rahmen der Entgiftung wieder aus den Zellen befördern. Im Falle der Statine können erbliche Unterschiede bestimmter Eiweiße zu höheren/geringeren Abbauraten und verringerten/erhöhten Wirkstoff-Konzentrationen von Medikamenten (z.B. Simvastatin, Pravastatin, Pitavastatin, Atorvastatin und Rosuvastatin) führen.2 In ähnlicher Weise beeinflussen diese erblich bedingten Unterschiede die Aufnahme von Statinen im Darm und ihre Ausscheidung aus Niere oder Leber. Dies kann dazu führen, dass eine erhöhte Konzentration von Statinen im Blut vorhanden ist, die wiederum zum Auftreten von Nebenwirkungen, wie z.B. Myalgien führen kann.

Pharmakogenetische Analyse vor Statin-Therapie

Mithilfe einer pharmakogenetischen (PGx) Analyse können diese genetisch bedingten Ursachen für Arzneimittelunverträglichkeiten, Wechselwirkungen oder veränderte Wirkspiegel ermittelt werden. Dies betrifft sowohl das Aufspüren individueller erblicher Unterschiede von Enzymen oder verschiedener Proteine als auch die Untersuchung potenzieller Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen, die für die Therapieplanung mit Statinen wichtig sind. Es ist daher sinnvoll, im Vorfeld einer dauerhaften Therapie mit Statinen eine umfassende genetische Analyse durchzuführen und die Dosierung auf das genetische Profil anzupassen, um somit den Therapieerfolg zu fördern. Die Ergebnisse der pharmakogenetischen Analysen helfen Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin somit dabei, das für Sie optimale Statin in der richtigen Dosierung auszuwählen.

 

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