Grundlagen der Pharmakogenetik

 

Wenn ein Medikament nicht wirkt, dann ist das äußerst unerfreulich – es ist allerdings leider nicht ungewöhnlich. Je nach Arzneimittel schwankt der Anteil erfolglos behandelter Patienten zwischen 35 und 75 Prozent. Bei über 25% der Patienten treten Nebenwirkungen auf. Die Ursache dafür liegt in hohem Maße in der unterschiedlichen genetischen Veranlagung eines jeden Menschen:

 

Unsere Gene bestimmen nicht nur „im Großen“ unser Aussehen, sondern auch „im Kleinen“ wie unsere Zellen funktionieren. In den Zellen ist ein hochkomplexes Enzymsystem dafür verantwortlich, dass unser Körper die Wirkstoffe von Medikamenten aufnimmt, umwandelt und wieder abbaut (ausscheidet). Minimale genetisch bedingte Veränderungen der Enzyme können die Reaktion auf ein Arzneimittel erheblich beeinflussen. Dies ist der Grund warum das gleiche Medikament bei verschiedenen Personen oft ganz unterschiedlich wirkt. Die Folge sind Unter- bzw. Überdosierungen von Wirkstoffen und somit fehlender Therapieerfolg oder Nebenwirkungen.

 

Die Pharmakogenetik befasst sich mit genau diesen genetisch bedingten Unterschieden in der Reaktion auf Arzneimittel. Ziel ist es, die von Mensch zu Mensch unterschiedliche Funktionsweise seiner Enzyme sichtbar zu machen. So lässt sich im Vorhinein präzise herausfinden welche Medikamente bei jedem einzelnen Menschen wirken oder nicht und wie sie dies tun. Es lässt sich aber auch individuell vorhersagen, bei welchen Medikamenten unter Umständen gefährliche Nebenwirkungen drohen.

 

Nutzen der Pharmakogenetik

 

Die bisherigen Dosierungsangaben orientieren sich an einem 1,80 Meter großen und 70kg schweren, männlichen Durchschnittspatienten. Alter, Körpergewicht, Konstitution, Lebensweise und Geschlecht sowie meist auch die Nieren- und Leberfunktion werden in den Therapieplan aufgenommen. Die klassische Individualisierung ist damit in der Regel abgeschlossen. An diesem Punkt hört man dann als Patient oft den Satz „Jetzt probieren wir das einmal und dann sehen wir weiter.“

 

Im Vergleich dazu gibt die pharmakogenetische Analyse dem Arzt ein wesentlich klareres Bild. Er kann nun bei der Auswahl des Medikaments auch die genetische Disposition des Patienten berücksichtigen. Eine Individualisierung der Therapie ist somit in deutlich höherem Ausmaß möglich.

 

Die pharmakogenetische Analyse liefert dem Arzt detaillierte Informationen, welchen Wirkstoff der Patient verträgt und welchen nicht – welches Medikament also individuell am optimalsten wirkt. Er kann somit dem Patienten gleich zu Beginn der Therapie das geeignete Medikament in der geeigneten Dosierung verschreiben. Langwieriges „probieren“ entfällt, der Leidensweg des Patienten wird verkürzt, Nebenwirkungen werden minimiert.

 

Pharmakogenetik ist der erste Schritt in Richtung einer für Sie individualisierten Medizin!

 

Anwendungsgebiete

 

Pharmakogenetik ermöglicht, die Medikamentenverschreibung an das genetische Profil des Patienten anzupassen. Komplexe Medikamenteneinstellungen werden wesentlich verkürzt, lebensbedrohliche Situationen durch gefährliche Nebenwirkungen oder Wirkungslosigkeit der Therapie können verhindert werden. Dem Patienten steht somit durch die pharmakogenetische Analyse eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung zur Verfügung. Der Arzt kann zielgerichtet und rasch das für den Patienten geeignete Medikament in der geeigneten Dosierung verschreiben.

 

Die Berücksichtigung individuell unterschiedlicher Reaktionen auf Medikamente ist grundsätzlich für jedes medizinische Fachgebiet zu empfehlen. Besonders wertvoll erweist sich der Einsatz pharmakogenetischer Analysen bei Medikamenten folgender Kategorien:

 

  • Analgetika/ Antirheumatika (Schmerzmittel)
  • Antibiotika/ Antiviralia/ Antimykotika (Behandlung von Infektionskrankheiten)
  • Antidiabetika
  • Antihypertensiva (Behandlung von Bluthochdruck)
  • Antikoagulanzien (Blutverdünner)
  • Cytostatika (Chemotherapie)
  • Protonenpumpenhemmer (Magenschutz)
  • Psychopharmaka/ Antidepressiva
  • Statine (Cholesterinsenker)
  • Urologika